Online Seminar

Seminarraum war gestern – jetzt heißt es Online Workshop

Krisen verändern das Leben von Menschen. Freizeitbeschäftigung, wie Sport, Treffen mit Freunden und Familie und das kulturelle Leben kommen zum Erliegen. Arbeit ist nicht mehr das, was wir kennen. Selbst der tägliche Weg zum Supermarkt stellt uns vor Herausforderungen, wie wir sie in unserer, ach so komfortablen, Welt nie gekannt haben. Wir haben uns an Wohlstand, tägliche Routinen und Abläufe – ja fast schon – an die Annehmlichkeiten einer florierenden Welt gewöhnt. Und plötzlich ist alles anders.

Doch: Krisen bieten auch Chancen. Gerade in Situationen, in denen wir zwanghaft einen Wandel auferlegt bekommen, ergeben sich Möglichkeiten, an die wir vorher nie gedacht haben. Viele Märkte erfinden sich neu oder greifen auf Möglichkeiten zurück, die schon da sind, aber bislang nicht in diesem Umfang genutzt wurden. Homeoffice wird plötzlich zum normalsten der Welt. Selbstorganisation und Eigenmotivation sind neue Werte, die gelebt werden wollen. Ein neues Vertrauen, in Fähigkeiten und Verhalten etabliert sich.

Auch im Bereich der Weiterbildung setzen wir neue Trends, probieren uns aus und erfinden uns täglich neu. Und lernen mehr und mehr dazu.

Wo wir gestern noch mit altbekannten Tools, Kunden und Teilnehmern im Seminarraum begegnet sind, stehen wir heute vor der Herausforderung, genau diese Menschen mitzunehmen. Auf die Reise durch virtuelle Lernwelten. Und dabei kommen ganz neue Aufgaben auf uns zu.

Die folgenden Tipps unterstützen dabei, dem Trend zu begegnen und aufgestellt für die Zukunft, vorbereitet zu sein:

  1. Die Auswahl der richtigen Lernumgebung:

    Wo man sich noch vor wenigen Wochen darum Gedanken gemacht hat, wie der Seminarraum aussehen soll, ist es heute um so wichtiger die richtige Plattform einzusetzen. Der Markt bietet viele Optionen. Dabei ist es wichtig, ein Tool zu wählen, dass der klassischen Trainingsumgebung möglichst nahekommt. Achten Sie darauf, möglichst alle Teilnehmer im Blick zu haben. Wählen Sie also eine Plattform, die Videokonferenzen ermöglicht, bei der Sie den Kunden im Blick haben können.

  2. Technik-Check:

    Der Einsatz von virtuellen Seminar- und Workshoptools bedarf technischer Voraussetzungen. Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihre Teilnehmer über die gleiche technische Ausstattung verfügen, wie man selbst. In vielen Familien hat sich über die Jahre eine mediale Grundausstattung herausgebildet, die aus Tablets und Smartphones besteht. Diese bieten zwar viel Sofa-Komfort an, sind aber nicht zwingend für Workshops geeignet. Weisen Sie also darauf hin, dass eine ordentliche Ausstattung maßgelblich zum Seminarerfolg beiträgt.

  3. Eigener Arbeitsplatz:

    Auch im eigenen Home-Office gibt es einiges zu bedenken. Während virtueller Trainings gibt es so einiges im Auge zu behalten. Wo früher die Teilnehmer vor und das Flipchart hinter uns gestanden hat, ist heute ein ständiges Wechseln der Perspektive nötig. Investieren Sie in einen Arbeitsplatz, der alles in einem sein kann. Die Erfahrung zeigt: alles auf einer Arbeitsfläche macht Sinn, z.B. durch die Arbeit mit zwei Monitoren oder einem, der teilbar ist.
  1. Vorab-Information:

    Den meisten Menschen sind die Medien, mit denen wir jetzt arbeiten noch gänzlich unbekannt. Wo wir früher in unsere Einladungen Hinweise zur Raumausstattung gegeben haben, macht es heute ebenfalls Sinn. Nur der Inhalt hat sich verändert. Entwerfen Sie ein Tutorial zu den genutzten Tools, um den Einstieg zu erleichtern. Ein kurzes Dokument in den Anhang Ihrer Einladung, in dem die wichtigsten Funktionen der genutzten Plattform kurz erklärt werden, ist Gold wert. Viele Anbieten haben inzwischen Video-Tutorials auf Ihrer Homepage.
  1. Ankommen im Seminar:

    Für viele Menschen ist eine Weiterbildung, neben den Lerninhalten, auch eine Möglichkeit andere Menschen kennenzulernen, sich zu vernetzen, voreinander zu lernen. Schon vor der ersten Lerneinheit, ist die Devise: Fühler ausstrecken, Smalltalk und hinterher Visitenkarte austauschen, oder sich in den Social Media Netzwerken zu connecten. Das entfällt in der virtuellen Welt. Sorgen Sie dafür, dass Raum zur Vernetzung entstehen kann und schaffen Sie diesen.
  1. Weniger ist mehr:

    Was früher als Quick-Win durchging, eine schnelle Interaktionssequenz, eine kurze Abfrage, stellt uns heute vor Herausforderungen. Bei der Planung von Online-Seminaren sollte das berücksichtigt werden. Manche Lerngruppen sind sehr schnell in der Umsetzung unterwegs und wissen sofort, was zu tun ist. Andere brauchen Zeit. Gehen Sie davon aus, dass Sie Methoden nicht einfach übernehmen können, sondern mehr Zeit benötigen, um die Herangehensweise zu erklären. Daher gilt hier die Regel: Je weniger aufwendig sie Ihre Methoden gestalten, desto leichter gehen Menschen mit.
  1. Vorgegeben oder kreativ:

    Das war schon immer die Frage für gutes Gelingen. Auch im neuen Seminarformat macht es Sinn, sich darüber Gedanken zu machen. Viele Workspace Plattformen bieten vorgefertigte Arbeitsblätter an. Das ist einfach und Sie müssen nicht kreativ werden. Ich setze bei meinen Seminaren nach wie vor auf Kreativität und eigene Gestaltung. Zeichenprogramme auf Tablet oder PC machen das möglich. Nutzen Sie die altbewährten wertschätzenden Visualisierungen auch online. Das macht Spaß und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
  1. Betreutes Lesen oder Interaktion:

    Bildschirmpräsentationen können inhaltsgeladen sein, sorgen aber auch für ein schnelles Abschweifen der Teilnehmer. Anders als im Seminarraum, haben Sie Ihre Teilnehmer nicht im direkten Blick, können also Reaktionen und Emotionen nicht wirklich einschätzen. Ob Ihr Zuhörer noch beim Thema ist oder nebenbei sein Social Media Konto pflegt? Bringen sie die Teilnehmer in Interaktion. Kurze Übungen, regelmäßige Feedbacks und Interaktion mit den Tools sorgen für einen nachhaltigen Lernerfolg und machen dabei auch mehr Spaß. Nebenbei werden die Lernerfolge auch dokumentiert und können so im Nachgang wieder in Erinnerung gerufen werden.
  1. Miteinander statt allein:

    Denken Sie einmal an die Schule zurück. Im Unterricht wird frontal gelehrt und das Erlernte alleine nachbearbeitet. Das ist genauso, als wenn wir ein Dokument zum Selbststudium verschicken und danach einen Fragebogen beantworten lassen. Menschen lernen am besten im Austausch untereinander. Sorgen Sie auch hier für möglichst viel Raum, um diesen zu gewährleisten. Lassen Sie Ihre Teilnehmer die Themen selbst erarbeiten und sich gegenseitig ein Feedback geben. Klingt normal, ist aber eine Herausforderung.
  1. Feedback und Redezeit:

    Anders als in der klassischen Seminarsituation bieten Online-Veranstaltungen ein neues Setting. Die Reihenfolge einfach der Sitzordnung anzupassen ist hier nicht möglich, weil jeder Teilnehmer auf seinem Bildschirm eine andere Ansicht hat. Legen Sie also eine virtuelle Sitzordnung fest. Wie? Seien Sie kreativ.
  1. Pausenzeiten:

    Bildschirmarbeit stellt den Körper auf eine neue Art vor Anforderungen. Die Aufmerksamkeitsspanne ist geringer. Die Chance sich auf etwas anderes zu konzentrieren ziemlich hoch. Wenn Sie erreichen möchten, dass Ihre Teilnehmer möglichst lange bei der Stange bleiben, sorgen Sie für genügend Pausen. Nebenbei, wenn sie die Pausen mit interessanten Aufgaben verknüpfen, ist diese Zeit auch Lernzeit. Der Smalltalk in den Pausenräumen entfällt schließlich, kann aber auch durch spannende Formate wieder ins Leben gerufen werden.
  1. Aktivierungsspiele:

    Gibt es im virtuellen Trainingsraum nicht? Weit gefehlt! Auch hier können wir Menschen von den Stühlen bewegen und sie aktiv werden lassen. Die klassischen Kreis-Spiele entfallen zwar. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht genügend aktive Spiele gibt.
  1. Abschluss:

    Ein qualifizierendes Feedback am Ende des Seminars ist wichtiger als man denkt. Wir befinden uns in einem Lernzyklus, erschließen gerade neue Formate. Ein noch so gut geplanter Workshop kann, alleine wegen der Unterschiedlichkeit der Teilnehmer, vollkommen anders verlaufen, als gedacht. Lassen Sie sich am Ende einer jeden Session eine Rückmeldung geben. Und die nicht nur über Inhalte, sondern insbesondere auch zur Durchführung. Fragen Sie auch gerne Verbesserungen ab. So erhalten Sie einen guten Einblick in das Erleben verschiedener Teilnehmer.
  1. Und noch ein Tipp am Rande:

    Sorgen Sie für einen Co-Moderator. Wer auch immer das ist, ob aus den eigenen Reihen oder aus den Teilnehmern. Verschaffen Sie sich Rückendeckung, jemanden, der mit Ihnen zusammen Reaktionen beobachtet, auf Wortmeldungen schaut, einen Chat im Auge behält. In kleinen Gruppen muss das nicht zwingend sein. Aus der eigenen Erfahrung heraus sind aber Gruppen ab 6 Personen besser zu beobachten, wenn ein weiteres Augenpaar zur Verfügung steht.  

Fazit:

Online durchgeführte Seminare und Workshop haben Charme, können effizient sein und dabei auch noch Spaß machen. Mit der richtigen Vorbereitung, der passenden Einstellung, Lust auszuprobieren, einer gehörigen Portion Mut und einem Teilnehmerkreis, der bereit ist, sich auf etwas Neues einzulassen, kann das gelingen, was wir vorher nur im Präsenz-Seminar für möglich gehalten haben.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls dabei viel Erfolg.

 

Über den Autor:
Marc Schmetkamp ist Trainer, Coach und Moderator. Als agiler Botschafter versteht er sich darauf, Menschen aus der Reserve zu locken und kreativ aus der Konfortzone zu begleiten. In vielen Workshops war er Wegbereiter zu neuen Ansätzen, hat spielerische Lerninhalte vermittelt und Unternehmen, Teams und Organisationen in der agilen Neuausrichtung begleitet. Mit seinen Seminaren in Design Thinking, agilen Methoden und agilen Coach- und Trainerausbildung setzt er auf selbstorganisiertes Lernen und Interaktionen. Vielfältige Kooperationen mit namhaften Instituten sorgen für ein breites Angebot.

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